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Das Modell von Raymond Verheijen

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"Fussballkondition bekommt man durch Fussballspielen." (Raymond Verheijen)

Raymond Verheijen (Jahrgang 71) gilt als weltweit führender Trainer im Bereich der Fussballkondition. Oberste Priorität hat für Verheijen, nach dem Gesetz der Spezifität, das Fussballtraining so spielnah als möglich zu gestalten.

Das ist Raymond Verheijen

Verheijen ist als grosser Kritiker fussballfremder Trainingsmethoden bekannt, was er immer wieder gerne mit einem leicht sarkastischen Ton auf seinem Twitter-Account zur Geltung bringt: https://twitter.com/raymondverheije Vor allem David Moyes musste als Trainer von Manchester United herbe Kritik einstecken, indem ihn Verheijen als "Dinosaurier" bezeichnete und seine Trainingsmethoden verantwortlich machte für die Verletzungen seines Landsmanns Robin van Persie. Verheijen brachte zudem im Jahr 2000 das in Fussballkreisen hoch angesehene Werk Handbuch - Fussballkondition heraus und 2014 topaktuell The Original Guide to Football Periodisation.

Raymond Verheijen war für die Niederlande, Südkorea und Russland bereits an drei Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften als Konditionstrainer verantwortlich. Vor allem die extrem laufintensive Spielweise der Südkoreaner bei der WM 2002, wo diese einen tollen vierten Platz belegten, sorgte damals für Aufsehen und die Fachwelt fragte sich, mit welchen Methoden Verheijen die Mannschaften so fit bekommen hat. Zudem arbeitete Verheijen bei zahlreichen Topteams, wie dem FC Barcelona, Chelsea London, Manchster City und Zenit St. Petersburg. Nach einem kurzen Intermezzo als Nationaltrainer von Wales arbeitete Verheijen auch als Personal Trainer von Topstars wie Craig Bellamy.

Auch Bayern-München-Star Arjen Robben greift auf das Wissen von Raymond Verheijen zurück - Arjen Robben war mit 37 km/h zeitweise der schnellste Spieler der Welt.

Momentan ist Verheijen viel für seine World-Football-Academy unterwegs und hält Schulungen und Vorträge auf der ganzen Welt: http://worldfootballacademy.com/

Die vier Leistungsfaktoren

Auch Raymond Verheijen spricht von vier Leistungsfaktoren im Fussball, die er wie folgt benennt:

  • Kommunikation
  • Game Insight" (Taktik)
  • Technik
  • "Fussballfitness"

Diese vier Komponenten sollen nach Verheijens ganzheitlichem Ansatz und dem Prinzip der Spezifität immer spielnah trainiert werden und stehen in einem engen Bezug zu den vier Phasen des Spiels. Verheijen plädiert für eine einheitliche "Fussballsprache" und ärgert sich über fachfremde Konditionstrainer im Fussball, die diese "Fussballsprache" nicht beherrschen. Verheijens Visionen werden auch als "niederländische Version der taktischen Periodisierung" bezeichnet, wobei Verheijen, im Gegensatz zur taktischen Periodisierung, wo die Taktik an erster Stelle steht, keine explizite Gewichtung der vier Faktoren festlegt.

1) Maximale Explosivität und Qualität der Aktionen

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Bild: Maximale Explosivität

Wird am besten beim 1vs1-Sprintduell mit Torschuss trainiert, da Fussballer dort schneller und effektiver sprinten, als bei einem Einzelsprint.

2) Schnelle Erholung zwischen zwei explosiven Aktionen

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Bild: Schnelle Erholung

(ME = Maximale Explosivität; E = Erholung)

p>Fussball ist eine Serien-Sprint-Sportart, in der die Spieler immer wieder maximal explosive Aktionen haben und schnell wieder für die nächste explosive Aktion erholt sein müssen.

3) Explosivitätsausdauer

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Bild: Explosivitätsausdauer

Explosivitätsausdauer wird benötigt, um auch am Ende eines Spiels noch dynamisch agieren zu können und um die Qualität der Aktion aufrechtzu- erhalten.

Wird am besten mit Sprints und kurzen Pausen trainiert bei einer Belastungsdauer um die 2 min.

4) Schnelle Erholung zwischen zwei explosiven Aktionen am Ende des Spiels

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Bild: Schnelle Erholung am Ende des Spiels

Hierbei ist die Aufrechterhaltung der Qualität über die komplette Spielzeit gemeint.

Diese Fähigkeit wird nach Verheijen am besten in kleinen Spielformen wie im 4:4 + Torspielern bei einer Dauer von 1 min bis maximal 2 min trainiert.

Für jede Fähigkeit leitet Verheijen aus dem Spiel Übungs- und Spielformen mit Ball ab und zeigt, wann welche Trainingsformen im Wochen- bzw. Saisonverlauf eingesetzt werden müssen. Pro Woche gibt es insgesamt maximal eine Einheit reine Kondition; diese wird aber als "Fussballkondition" bezeichnet und findet in einer Spielform mit Ball statt.

"Everything has to be football-related." (Raymond Verheijen)

Verheijen stellt Trainern immer wieder die Frage, ob sie ihre Fussballer traditionell oder richtig trainieren.

Traditionell:

  • Fitness durch Ausdauerläufe.
  • Verletzungen durch ständige intensive Belastungen.
  • Amateure: in den ersten 2-3 Wochen viele Laufeinheiten.
  • Profis: Lauftrainingslager.
  • Zweite Hälfte der Vorbereitung wird Belastung heruntergefahren.
  • Ende der Meisterschaft -Belastung wird reduziert, da die Spieler erschöpft sind.

Fussballkondition durch Fussball spielen:

  • Pro Woche nur eine Einheit Fussballkondition.
  • Kondition kann in spielerischer Form die ganze Saison trainiert und optimiert werden.
  • Fitness wird im weiteren Saisonverlauf nicht nur erhalten,
  • sondern nach dem gleichen Muster Schritt für Schritt verbessert.
  • Intensives Training auch am Ende der Saison möglich.
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Bild: Traditionell vs. Fussballkonditionell

"For example, first you do a certain exercise on a certain pitch size, and then you make the pitch size smaller, and then smaller. The same exercise but less space, less time, increasing the demands, and that is how you improve players." (Raymond Verheijen)

Auch Verheijen periodisiert sowohl die Saison und einzelnen Trainingswochen, aber auch die Art der jeweils eingesetzten Übungs- und Spielformen, die er je nach Spieleranzahl und Spielfeldgrösse, sowie Coachingpunkten in verschiedene konditionelle Schwerpunkte kategorisiert:

  • 1:1/2:2 => "Fussballsprints" :Intensive Intervalle für maximal dynamische Aktionen.
  • 3:3/4:4 => "extensive Intervalle"
  • 5:5/6:6/7:7 => "intensive Ausdauer"
  • 8:8 bis 11:11 => extensive Ausdauer

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass sowohl aus Verheijens Sicht wie auch aus der aktuellen Sicht der Sportwissenschaft, der Sauerstoff beim Fussball nicht für die jeweiligen Aktionen dient, da diese so gut wie nie aerob ablaufen, sondern vielmehr zur Erholung zwischen den einzelnen Aktionen, was jedoch ebenfalls spielnah und nicht mit Ausdauerläufen trainiert werden sollte.

Trainingsplanung Saison

Eine Saison wird nach Verheijen vereinfacht an der Hinrunde wie folgt dargestellt:

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Bild: Saisonphasen

FK = Fussballkondition, SPFG = Spielfeldgrösse

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Bild: Beispielhaft auf dieser Saisonplanung aufbauend das Training der Fussballkondition im Zyklus 1.

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Beispielhafter Aufbau für das Training der Fussballkondition nach Verheijen

Verheijen kann sein Modell flexibel steuern, so können die Übungen an geringere oder höhere Intensitäten angepasst werden, abhängig vom jeweiligen Trainingsziel. Höchste Priorität bei allen Überlegungen von Verheijen ist das Motto: "Qualität statt Quantität".