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Schnelligkeit im Fussball oder Fussball als Serien-Sprint-Sportart!

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Die Schnelligkeit im Fussball ist der leistungslimitierende Faktor Nummer 1!

Eines ist kristallklar: Der Fussball entwickelt sich immer weiter zu einer Explosivitäts- und Intensitäts-Sportart!

Die Spieler werden immer schneller und mit dem atemberaubenden Sprint von Arjen Robben bei der WM 2014 ist das Tempo im Fussball in neue Dimensionen vorgestossen.

Die schnellsten Fussballer der Welt

Der 100m Weltrekordler Usain Bolt lief bei seinem 100m Weltrekord im Durschnitt 37 km/h.

Die Messungen der FIFA haben ergeben, das Arjen Robben bei seinem Torerfolg gegen Spanien mit Ball am Fuss bei der WM 2014 eine Höchstgeschwindigkeit von 37,0 km/h erreicht hat!

Bedenkt man nun, dass Robben diese Leistung auf einem Rasen, mit Ball am Fuss und in der 80. Minute(!!!), nach bereits zahlreichen Sprints, aufgestellt hat, wird die enorme Anforderung im Bereich der Schnelligkeit deutlich.

Der 30-jährige Holländer, der bei Bayern München unter Vertrag steht, ist mit seinem Rekordsprint vor dem Tor zum 5:1 im WM Spiel gegen Spanien, der schnellste Fussballspieler der Welt.

Sein Gegenspieler Sergio Ramos von Real Madrid, kam bei diesem Sprint auf 30,6 km/h, was ebenfalls ein Top-Wert, aber kein Vergleich zu dem unglaublichen Sprintwert von Arjen Robben ist.

Hier findest Du den Rekord-Sprint von Arjen Robben im Video: » Video auf YouTube


Arjen Robben ist somit laut FIFA der schnellste jemals gemessene Fussballer. Doch auch anderen Top-Sprinter im WeltFussball weisen enorme Werte auf:

  • 1. Arjen Robben – 37,0 km/h
  • 2. Antonio Valencia – 35,1 km/h
  • 3. Gareth Bale – 34,7 km/h
  • 4. Aaron Lennon – 33,8 km/h
  • 5. Cristiano Ronaldo – 33,6 km/h
  • 6. Theo Walcott – 32,7 km/h
  • 7. Lionel Messi – 32,5 km/h
  • 8. Wayne Rooney – 31,2 km/h
  • 9. Franck Ribery – 30,7 km/h
  • 10. Sergio Ramos – 30,6 km/h
  • 11. Alexis Sanchez – 30,1 km/h

Auffällig ist, dass diese 11 Spieler zur absoluten Weltklasse im Fussball zählen und komischerweise nicht ein unbekannter Spieler dabei ist. Viele Fachleute weisen bei solchen Werten oftmals auf die grosse Komplexität der Schnelligkeit im Fussball hin.

Gute Schnelligkeitswerte ein "Muss"

Fakt ist: Ohne ausreichende Schnelligkeitswerte hat ein Spieler heute keine Chance mehr auf höchstem Niveau.

Oft wird dann angeführt, dass Xavi und Iniesta „langsam“ sind, was aber absolut nicht stimmt. Zwar verfügen die beiden nicht über die Topwerte der oben aufgeführten Spieler, doch die beiden befinden sich immer noch im erforderlichen Schnelligkeitsbereich. Ausserdem ist hier anzumerken, dass es wohl kaum einen anderen Spieler gibt, der über die gleiche Spielintelligenz wie Xavi und Iniesta verfügt, die als Strategen auf dem Platz den Rhythmus eines Spiels bestimmen.

Die Tendenz im Welt-Fussball und in der Ausbildung geht ohnehin dazu über, die Spieler in allen Bereich des Spiels perfekt auszubilden. Aber nochmal eines, um es zu verdeutlichen: Ohne die nötigen Grundwerte im Schnelligkeitsbereich hat heute kein Spieler mehr eine Chance. Deshalb arbeiten alle renommierten und erfolgreichen Nachwuchsabteilungen auf der Welt intensivst in diesem Bereich!

Wusstest du, dass ein Fussballspieler in einem Spiel 1000 -1400 Kurzaktionen hat, bei denen es vor allen Dingen auf Tempo bzw. Schnelligkeit ankommt?

Definition Schnelligkeit

Laut Definition ist Schnelligkeit die Fähigkeit eine maximale Bewegungsgeschwindigkeit zu erreichen.

Dabei ist die Schnelligkeit der am stärksten genetisch bedingte Part der konditionellen Faktoren und hängt in einem grossen Mass von der Zusammensetzung der FT und ST Fasern zusammen. Die Fachliteratur sagt, dass der Anteil der FT Fasern bei einem Fussballer bei mindestens 55% liegen sollte. Dies ist ein sehr wichtige Grösse im Bereich der Talentidentifikation und muss im Spitzensport unbedingt Beachtung finden - in der Selektion, aber auch bei der Positionsauswahl.

Komponenten der Schnelligkeit

Die Schnelligkeit im Fussball ist komplex und besteht aus mehreren Teilkomponenten. Nicht immer ist der rein physisch schnellere Spieler auch schneller am Ball. Allerdings wird die physische Schnelligkeit immer wichtiger. Da heutzutage alle Spieler jahrelang auf höchstem Niveau im Bereich der Spielintelligenz gearbeitet haben, ist der Spielraum zur Kompensation mangelnder physischer Schnelligkeit begrenzt!

Im Fussball ist die benötigte Schnelligkeit ein mehrdimensionaler, motorischer sowie kognitiver Faktor, der deutlich komplexer aufgebaut ist, als zum Beispiel die Komponenten die ein 100m Läufer benötigt. Nur durch das optimale Zusammenwirken mehrere Schnelligkeitsfaktoren kann ein Fussballer den hohen Schnelligkeitsanforderungen im Spiel überhaupt gerecht werden.

Aus diesem Grund müssen die nachfolgenden Komponenten/Teilfähigkeiten im Schnelligkeitstraining im Fussball zwingend berücksichtig werden.

Reaktionsschnelligkeit:

Die Zeit vom Auftreten eines Reizes bis zur Reaktion. Achtung: Beim Fussball sind es fast immer optische und keine akustischen Reize. Das bedeutet, es sollten beim Reaktionstraining überwiegend optische Reize als Auslöser einer Schnelligkeitsaktion verwenden werden.

Zyklische Aktionsschnelligkeit:

Bei zyklischen Bewegungen wie bei einem Sprint oder einem Tempodribbling ist diese Art der Schnelligkeit gefragt.

Azyklische Aktionsschnelligkeit:

Bei azyklischen Bewegungen wie bei einem Sprung zum Kopfball oder einem Einwurf.

Schnelligkeitsausdauer:

Schnelligkeitsausdauer bezeichnet das Stehvermögen bei zyklischen Fortbewegungen mit hoher bis höchster Intenstiät zwischen 7 Sekunden und 2 Minuten. Beim Fussball wäre das z.B. das Umschalten bei einem Eckball im Vollsprint von einem Tor zum anderen.

Grundschnelligkeit:

Zeichnet sich durch das Beschleunigungsvermögen aus und ist sehr wichtig, da diese grösstenteils genetisch vorgegeben ist.

Handlungsschnelligkeit:

Ist die Fähigkeit schnellstmöglich und effektiv im Fussball zu handeln.

Antizipationsschnelligkeit:

Ist die Fähigkeit Situationen zu erahnen und auf Veränderungen schnell reagieren zu können.

Entscheidungsschnelligkeit:

Ist die Fähigkeit, blitzschnell zwischen verschiedenen Handlungsalternativen auszuwählen - beispielsweise Entscheidung zwischen Pass und Torschuss.

Antrittsschnelligkeit:

Von grösster Bedeutung sowohl für Aktionen mit und ohne Ball für das heutige Fussballspiel ist auch die Antrittsschnelligkeit. Dies zeigen auch die im Spiel zurückgelegten Sprintdistanzen, die durchschnittliche bei 5m bis maximal 20m liegen. In einem Fussballspiel werden in erster Linie also kurze Antritte benötigt, was auch eine Auswertungen des Fussballehrers Roland Reichel zeigt. Reichel arbeitete als Verbandstrainer beim Badischen Fussballverband und ist nun als Nachwuchschef beim FC Ingolstadt tätig.

  • Ein Fussballer absolviert je nach Position und Spielklasse zwischen 40 und 100 Antritten
  • Antritte zwischen 0-5m werden doppelt so häufig ausgeführt wie Sprints zwischen 5-10m
  • Sprints zwischen 10 – 20m werden 5x so oft absolviert wie Sprints über 20m

Aus diesen Überlegungen heraus sollte nun auch im Training der Schnelligkeit mit diesen Distanzen und der Häufigkeit gearbeitet werden. Im Fussball sollte ausserdem ein vielseitiges Schnelligkeitstraining zur Vermeidung von Stereotypen und einhergehender Stagnation eingesetzt werden.

Längere Sprintdistanzen

Auch längere Sprintdistanzen von 40m bis zu 60m sollten unbedingt berücksichtig werden, da zum einem oftmals erst hier die maximale Geschwindigkeit erreicht wird. Zudem werden im modernen Fussball immer mehr Tore nach schnellen Konteraktionen eingeleitet. Aber auch für gewisse taktische Mittel, wie bei einem hohen Forechecking, sind längere Sprintdistanzen notwendig. Bei hohem Forechecking kommt es oftmals zu einem langen Ball über die hochstehende 4er Kette, wodurch diese in der Lage sein muss, Räume von bis zu 60m abzulaufen.

Habe ich als Trainer keine Spieler mit dieser Schnelligkeit in meinen Reihen, muss ich mir vermutlich überlegen, wie viel Sinn ein hohes Pressing macht. Durch diesen Denkansatz wird die taktische Komponente der Schnelligkeit deutlich.

Die Basis für eine fussballspezifische Trainingsmethodik muss zudem einen hohen Fokus auf das multidirektionale Sprintlaufverhalten über die oben erwähnten fussballtypischen Distanzen haben. Ein Fussballer sprintet selten gerade aus. Meistens muss der Spieler mit Richtungswechsels und sogenannten „Stop- and go“ Bewegungen arbeiten, was ebenfalls bei einem spielnahen Schnelligkeitstraining beachtet werden sollte.

Die auf das Schnelligkeitstraining aufbauenden Übungsformen sollen spielnah gehalten werden, also in erster Linie mit kurzen Antritten mit hohen azyklischen Anteilen. Durch die Vorgabe der Spielfeldgrösse und Spieleranzahl kann der Fokus auf die verschiedenen Schnelligkeitsfaktoren angepasst werden. Ausserdem sollte so oft wie möglich das Spielgerät involviert werden und das Schnelligkeitstraining im Wettbewerb stattfinden. So wird eine Nähe zur realen Spielsituation erzeugt.

Laufkoordination, Agility, Kognition, Entscheidung treffen

Ein wichtiger Bestandteil bei isolierten Formen ist auch das Training der Laufkoordination, das sich hervorragend dazu eignet, die Lauftechnik zu schulen. Dadurch werden die Spieler nicht nur nachweislich schneller sondern sparen durch eine verbesserte Lauf-Ökonomie Kraft für die vielen explosiven Aktionen, die sie während eines Spiels haben.

Ein weiterer wichtiger Begriff beim Schnelligkeitstraining im Fussball ist die Agility, bei der anders als beim Richtungswechsel, der Spieler nicht im Voraus weiss, welche Bewegung er in welche Richtung ausführen muss. Dieses Szenario tritt im Spiel z.B. beim Verteidigen in einer 1 vs.1 Situation ein.

Der kognitive Bereich muss bei einem guten Schnelligkeitstraining im Fussball ebenfalls angesteuert werden. Schnell denken und schnell laufen sind die Anforderungen im heutigen Fussball.

Ausserdem ist es wichtig, die Entscheidungsschnelligkeit zu trainieren. Deshalb sollte man im Fussball auch häufig mit Auswahlreaktionen arbeiten, bei denen die Spieler selbstständig die bestmögliche Entscheidung wählen müssen.

Krafttraining

Betreffend Schnelligkeit spielt das im Fussball oftmals als „Tabu-Thema“ gesehene Krafttraining eine entscheidende Rolle. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, aber Kraft ist die Grundlage jeder Art von Leistung! Im reinen Athletiktraining im Fussball sollte sich also im Schnelligkeits- und Kraftbereich alles um die folgende Frage drehen:

Wie optimiert man folgende Formel?      F (Kraft) = m (Masse) x a (Beschleunigung)

Kraft ist die Ursache von Bewegung (Beschleunigung) und Haltung. Die physische Formel ist auch für biologische Systeme, wie z.B. einen Fussballer, gültig: Auf das Fussballspiel übertragen heisst das, je grösser die (Muskel-)kraft, desto höher die Beschleunigung (also der Geschwindigkeitszuwachs pro Zeit) einer Masse (Körpermasse des Spielers => Aufbau schlanker und funktionell-explosiver Muskulatur!).

Zudem gibt es einen signifikanten und belegten Zusammenhang zwischen dem 1-Wdh-Maximum und der Beschleunigung, sichtbar an verbesserten Schnelligkeitswerten.

Squads 90 Grad: PLUS 21,8kg zum Körpergewicht. Daraus resultieren deutlich gestiegene Schnelligkeitswerte bei einem Spieler!

Alle Weltklassespieler wie Weltstar Cristiano Ronaldo trainieren intensiv im Kraftbereich, da dieser Bereich eine enorm wichtige Grundlage ist, um im modernen Fussball zu performen.

In einem unserer nächsten Blogbeiträge werden wir speziell auf das Thema Krafttraining eingehen, bis dahin kannst du ja vielleicht bereits mal deine 20 weltbesten Lieblingsspieler anschauen. Dabei wirst Du merken, dass sich diese bereits rein optisch von der Muskulatur von den restlichen Profispielern abheben und positionsbezogen, sowie auf ihre Spielweise zugeschnitten, eine perfekte Muskulatur besitzen.