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Die 10 wichtigsten Trends der Fussball-EM 2016

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Die Fussball-Europameisterschaft geht in die finale Phase. In wenigen Tagen wird bekannt sein, wer die neuen Champions in Europa sind. Bei nur noch 3 ausstehenden Spielen, kann bereits jetzt ein Fazit zum Turnier gezogen. Im nachfolgenden Beitrag findest du die 10 wichtigsten Trends dieser Euro.

Trend 1: Die Rückkehr des echten Mittelstürmers

Variable 9?

Nein!

Die Renaissance eines klassischen Mittelstürmers hängt damit zusammen, dass sich viele Mannschaften bei dieser EM auf die Defensive beschränken, extrem tief stehen und abwartend agieren. Diese kompakten, tiefstehenden Abwehrreihen machen auch oftmals das Zentrum dicht, wodurch an den Flügeln Räume entstehen, da der Mittelstürmer im Zentrum oftmals gleich mehrere Verteidiger auf sich zieht und zugleich als Zielspieler für Hereingaben agiert. Bei Weltmeister Deutschland blühte Mario Gomez regelrecht auf, bei Italien spielte Graziano Pelle vom FC Southampton und bei Frankreich Olivier Giroud von Arsenal London, bei Belgien Romelu Lukaku und bei den Spaniern Alvaro Morata als klassische Mittelstürmer. Mit ihrer Robustheit und Kopfballstärke sind diese Spieler auch extrem wichtig um lange Bälle zu halten und so ihre Mitspieler zu entlasten, oder um bei Kopfballduellen gefährlich in freie Räume zu verlängern.

Trend 2: Hochstehende und extrem spielintelligente Aussenverteidiger

Viele Mannschaften stehen bei dieser EM extrem tief. Ein gutes Gegenmittel sind hochstehende Aussenverteidiger, die mehr Druck auf einen tiefstehenden Gegner ausüben können, da so in wichtigen Räumen Überzahlsituationen entstehen. Beim DFB rücken beispielsweise die spielstarken Leute Jonas Hector und Joshua Kimmich im Spielaufbau sofort bis auf die Höhe der gegnerischen Abwehrreihe vor und können so Druck über den Flügel aufbauen. Neben einem entsprechendem Defensivspiel und einem enormen Laufpensum benötigen diese hochstehenden Aussenverteidiger auch ein herausragendes Passspiel sowie eine hohe Spielintelligenz, da diese Spieler extrem wichtig im Spielaufbau sind und auf sehr viele Ballkontakte kommen. Neben Deutschland agiert auch Frankreich mit Evra und Sagna, Spanien mit Jordi Alba und Juanfran, oder die Schweiz mit Lichtsteiner und Rodriguez mit hochstehenden Aussenverteidigern bei dieser EM.

Trend 3: Dynamische Spieleröffnungen auf der 6er-Position - „Verkappte 2/3“

Eine Spieleröffnung in der dynamischen Dreierkette wird schon länger praktiziert, indem sich der 6er zwischen die Innenverteidiger fallen lässt und die beiden Aussenverteidiger gleichzeitig nach vorne angehen. Bei dieser EM wird die dynamische Dreierkette aber noch wesentlich flexibler interpretiert, indem sich der 6er beispielsweise zwischen einen Innen- und einen Aussenverteidiger fallen lässt und so als „gekappte 2 oder 3“ agiert. Diese Bewegung sieht man u.a. bei Toni Kroos, oder auch oft bei Luca Modric und Granit Xhaka. Der grosse Vorteil: Der 6er bildet ballseitig in der Spieleröffnung eine Überzahl, wodurch sich neue Möglichkeiten für den Aussenverteidiger auf der anderen Spielseite ergeben.

Trend 4: Späte Tore

Generell ist es ein internationaler Trend, dass der Unterschied immer mehr in den letzten 30 Minuten gemacht wird. Gerade in Pokalspielen, in denen unterklassige Teams gegen Profis antreten, ist der Spielausgang speziell in der 1. Halbzeit und oftmals bis zur 60 Minute sehr offen, danach macht sich dann aber die bessere physische und damit auch die bessere psychische Verfassung der Profis bemerkbar, da bei den Amateuren die Müdigkeit einsetzt und somit auch die Konzentration nachlässt. Bei der EURO 2016 sind bisher zwar insgesamt nicht extrem viele Tore gefallen (was für ein ausgeglichenes Teilnehmerfeld spricht) dafür aber unglaublich viele Last-Minute-Tore. Das starke Italien schlug Schweden durch ein Tor von Éder in der 88. Minute und die Tschechei sicherte sich das Unentschieden gegen Kroatien durch einen Elfmetertreffer von Tomáš Necid in der Nachspielzeit.

Hier ein kurzer Auszug der Last-Minute-Treffer:

  • Vasili Berezutski gegen England (90.+2)
  • Bastian Schweinsteiger gegen die Ukraine (90.+2)
  • Graziano Pellè gegen Belgien (90.+3)
  • Dimitri Payet gegen Albanien (90.+6)
  • Daniel Sturridge gegen Wales (90.+2)
  • Niall McGinn gegen die Ukraine (90.+6)

Dieser Trend sollte unbedingt im Fussballtraining berücksichtigt werden! Der Fokus bei diesem Trend ist es, die physische Leistung der Spieler auch gegen Spielende hochzuhalten, da bis zum Schluss aktiv nach Vorne gespielt wird und man mit Passivität nicht mehr erfolgreich ist: „Ein Spiel verwalten“ ist nicht möglich, was selbst die starken „Spielverwalter“ aus Spanien im Achtelfinale gegen Italien bitter zu spüren bekommen haben.

Trend 5: Kopfballspiel

Die Bedeutung des Kopfballspiels nimmt immer weiter zu. Viele Mannschaften agieren bei der EM in Frankreich mit langen Bällen, wodurch es zu vielen Luftduellen kommt. Deshalb werden kopfballstarke Spieler benötigt. Zudem wird der Raum am Boden immer enger und besser organisiert, wohingegen der Raum in der Luft frei ist. Spieler wie Paul Pogba und Olivier Giroud von Gastgeber Frankreich haben die Bedeutung des Kopfballspiels mit ihren Toren im Viertelfinale gegen die ebenfalls kopfballstarken Isländer eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Trend 6: Standardsituation - Einwurf

Gerade bei Standardsituationen ist noch enormes Potential vorhanden. Denn welcher Trainer investiert 30 Prozent der Zeit in Elfmeter, Freistösse, Eckbälle oder Einwürfe?!

Aber 30% alle Tore fallen generell nach Standards und Einwürfe kommen pro Spiel bis zu 60mal vor. Die Isländer mit den Einwurfspezialisten Aron Gunnarson konnten durch einstudierte Varianten zwei wichtige Tore nach Einwürfen erzielen und waren brandgefährlich sobald es einen Einwurf in Strafraumhöhe gab.

Trend 7: Mentalitäts-Truppe

"Mentalität schlägt Qualität".

Die Zeiten in denen Spitzenmannschaften ein Spiel einfach nur verwalten konnten, scheinen gezählt zu sein, was wie bereits erwähnt, die Spanier bitter gegen Italien zu spüren bekamen. Wales gelang mit einer herausragenden Mentalitätstruppe der Einzug in das Halbfinale und das kleine Island scheiterte erst im Viertelfinale an Frankreich. Auch Ungarn und Nordirland kamen mit einer überragenden Einstellung bis in die K.O.-Runde.

Trend 8: 1 vs 1 Spieler sind wichtiger denn je

Die Bedeutung von Spielern, die über herausragenden Fähigkeiten im 1 vs 1 verfügen, ist wichtiger denn je, da diese Spieler mir ihren herausragenden Fähigkeiten auf einem sich immer weiter annähernden Niveau der Spitzenteams den Unterschied ausmachen. Gareth Bale oder Antoine Griezman demonstrieren diesen Trend eindrucksvoll mit ihrer Wichtigkeit für den Erfolg Ihrer Teams.

Trend 9: Jokertore

Einwechselspieler werde ebenfalls immer wichtiger! Dieser Trend wurde an der EM durch zahlreiche Jokertore eindrucksvoll bestätigt. Neben vielen anderen Jokertoren stellten die beiden Joker Jamie Vardy und Daniel Sturridge diesen Fakt beim 2:1 der Engländer gegen Wales eindrucksvoll unter Beweis.

Trend 10: Safety First

Alle Mannschaften scheinen Defensiv sehr gut organisiert zu sein und legen einen hohen Wert auf Sicherheit in ihrem Spiel. Während bei der letzten WM noch viele Teams mit einem hohen Pressing agierten, sind die Mannschaften bei der EM wesentlich abwartender und stehen deutlich tiefer. Der Fakt, dass Portugal ohne einen Sieg in der regulären Spielzeit in das Halbfinale gelangt ist und sich selbst die Superstars diesem Konzept unterordnen, ist Beweis genug für dieses Sicherheitsgedanken.