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Die acht methodologischen Prinzipien der taktischen Periodisierung

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"Wenn du 50 Millimeter von deiner Position weg warst, hat er das Training angehalten und dich richtig positioniert." Thierry Henry über das Training unter Pep Guardiola beim FC Barcelona.

1) Prinzip der Spezifizität

Ziel jeder Trainingseinheit muss es sein, die Leistung der Spieler im Spiel zu verbessern. Deshalb müssen die Übungen alle einen Bezug zum Spiel haben, wodurch das Prinzip der Spezifität zum "Boss" wird. Bei diesem Prinzip geht es darum, dass die jeweilige Trainingsübung die Sportart, die Situationen in dieser Sportart und die Trainingsziele abbilden soll. Darum sind beispielweise sehr abstrakte oder sehr simple Übungen verpönt, da diese nicht spezifisch genug sind. Jedes Training ist dabei eine Simulation von Situationen, die dem Spielmodell entnommen wurde.

2) Prinzip der Operationalisierung

Von enormer Bedeutung ist die Operationalisierung des Spielmodells und der taktischen Prinzipien. Was ist meine Spielidee? Wie verhalte ich mich in den fünf Phasen des Spiels? Welche Übungen kann ich nutzen, um das gewünschte Verhalten zu trainieren? Umso besser die Operationalisierung ist, desto höher ist der Grad der Spezifität.

3) Prinzip der hierarchischen Gliederung

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Mit diesem Prinzip werden die vom Spielmodell ausgehenden taktischen Prinzipien unterteilt, um taktische Übungen dann auf Grundprinzipien herunterzubrechen, auf denen dann die Übungen schrittweise aufgebaut werden können.

Je besser die hierarchische Gliederung aufgebaut ist, desto leichter können die Spieler die Prinzipien dann umsetzen.

4) Prinzip der horizontalen Variation der Spezifität

Hiermit sind die genaue Steuerung der Intensität und die Art der Übungen gemeint, die im Trainingsprozess eingesetzt werden. Das Training soll dabei so aufgebaut werden, dass der Körper sich immer wieder optimal erholen kann. Dabei wird der Mikrozyklus in einer wellenförmigen Art periodisiert, mit dem Ziel, die Komponenten so abzustimmen, dass die Spieler optimal körperlich und mental erholt sind, wenn sie in den nächsten Wettkampf gehen.

5) Prinzip der Leistungsstabilisation

Das Erbringen stabiler Leistungen nimmt gerade im Profi-bereich eine enorm wichtige Stellung ein. Barcelonas Konditonsexperte Francisco Seirullo hat die Aussage getroffen, dass es das Ziel beim FC Barcelona ist, dass sich die Spieler zwischen 70% bis 80% ihres optimalen Leistungszustandes bewegen, ohne große Abweichungen, um Sie dann in den entscheidenden Phasen der Meisterschaft im März und Mai auf 80% bis 90% zu heben. Um dies zu erreichen, wird bei der taktischen Periodisierung der konzeptionelle Aufbau des Mikrozyklus Woche für Woche gleich aufgebaut. Ein weiter wichtiger Punkt ist zudem die Intensität, welche bis auf den ersten Trainingstag des Mikrozyklus höher ist als das Volumen.

6) Prinzip der konditionierten Übung

Es ist wichtig, dass Bewegungen, die im Spiel häufiger vorkommen, auch dementsprechend häufig trainiert werden. Ein Innenverteidiger benötigt andere Bewegungsabläufe als ein Flügelspieler. Stellen Sie sich vor, der über 90 kg schwere Boateng trainiert dieselben Ausdauerläufe wie der federleichte Philip Lahm. Die vermutliche Folge: Boateng wird überfordert sein. Vollzieht aber Philip Lahm dasselbe Krafttraining wie Boateng, wird Philip Lahm total überfordert sein. Deshalb sollen bei der taktischen Periodisierung Bewegungen verwendet werden, die die Spieler auch im Spiel ausüben. Da alle Übungen von der gewünschten Taktik ausgehen, werden die Spieler in allen Übungen ihrem Anforderungsprofil entsprechend eingesetzt.

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Während beim "Straßenfussball" keine klaren Strukturen vorhanden sind,

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Wird bei der taktischen Periodisierung jede Übung positionsspezifisch umgesetzt.

7) Prinzip der komplexen Progression

Das Prinzip der komplexen Progression kann auch als Reduktionsprinzip der Komplexität des Spielmodells gesehen werden. Hier wird der geplante Fortschritt aufgezeichnet und zwar in erster Linie natürlich wieder in Hinsicht auf die aus dem Spielmodell abgeleiteten Prinzipien. Dabei wird vor allem der hierarische Aufbau des Spielmodells untersucht, um zu gewährleisten, dass die Spieler die verschiedenen Prinzipien verstehen, um optimale Lernfortschritte zu erzielen.

8) Prinzip der taktischen Ermüdung und Konzentration

Um die bestmögliche Leistung abrufen zu können, spielt die Konzentrationsfähigkeit eine wichtige Rolle. Ist der Kopf müde, wird es schwer, sich zu konzentrieren, worunter dann die Leistung leiden wird. Bei der taktischen Periodisierung geht man davon aus, dass der Kopf und Körper unmittelbar miteinander verbunden sind. Bei Trainingstagen oder Übungen mit einem hohen taktischen Anspruch werden die Spieler im Kopf ermüden, weshalb der taktische Ermüdungsgrad gesteuert werden muss.