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Einführung in den Zonenfussball

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"Fussball ist sehr einfach, aber das Schwierigste, was es gibt, ist einfacher Fussball." (Fussballlegende Johann Cruyff)"

Die revolutionäre Spielidee des "totaal voetbal" der Niederländer, der vor allem durch die beiden Weltmeisterschaften 1974 und 1978 (jeweils Final-Teilnahme) und den Trainer Rinus Michels geprägt wurde, führte zur Umstellung der reinen Manndeckung hin zur Raumdeckung und zu den Prinzipien des Zonenfussballs, die wir nun näher durchleuchten werden.

Zonen

Wichtig im Zusammenhang mit dem "totaal voetball" ist der Begriff des Positionsspiels, der davon ausgeht, dass die Positionen in einer Grundformation immer besetzt sein müssen. Welcher Spieler aber konkret diese Zone besetzt, ist dabei zweitrangig.

Zone ist dabei der passendere Begriff als Position, da die Zonen bereits schon als Begriff einen Raum vorgeben, in dem flexibel agiert werden kann und keine fixen Positionen darstellen. Die Prinzipien des Zonenfussballs bilden ein optimales Modell, um das ballorientierte Spiel zu verstehen. Beim Fussball geht es sowohl in der Defensive als auch in der Offensive darum, Überzahl in Ballnähe zu erzeugen und freie Zonen zu nutzen beziehungsweise diese freien Zonen bestmöglich zuzustellen. Treffen zwei verschiedene Spielsysteme aufeinander, kann diese Überzahl in manchen Spielräumen einfach und in manchen Räumen weniger einfach hergestellt werden.

In der Defensive ist der Schlüssel zum Erfolg also die Verengung des Raums, den der Gegner zum Spielen hat und in der Offensive ist es das Ziel, den Raum möglichst gross zu gestalten. Im modernen Fussball müssen sich alle Spieler am Ballgewinnspiel beteiligen, dazu sollte der Abstand zwischen der hintersten und der vordersten Linie im optimalen Fall nicht mehr als 25-35 m betragen, damit ein kompakter Block gebildet werden kann. Dadurch werden die Räume verengt und der Gegner wird so unter Druck gesetzt, dass er keine Zeit hat, die weit aufgerückte letzte Verteidigungslinie zu überspielen, wobei hier zusätzlich noch die Abseitsregel zu Hilfe kommt. Die eigene Mannschaft reduziert bei diesem Modell gleichzeitig die eigenen Laufwege, weil der Raum, in dem man den Gegner angreifen musste, so klein wie möglich gehalten wird.

Breitenachse

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Breitenachse

Zunächst wird das Spielfeld in eine Breitenachse, die in fünf Abschnitte gegliedert ist, aufgeteilt.

  • Zone 1: Torsicherungs-Zone
  • Zone 2: Abwehr-Zone
  • Zone 3: Mittelfeld-Zone
  • Zone 4: Angriffs-Zone
  • Zone 5: Forechecking-Zone

Wichtiger Hinweis: Die einzelnen Zonen variieren je nach Spielsituation oder gehen ineinander über. Mit jeder in die Spielrichtung aufsteigenden Zone, kann das Risiko erhöht werden, da die Distanz zum eigenen Tor grösser wird.

Längsachse

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Bild: Längenachse

Die Längsachse wird ebenfalls in fünf Zonen aufgeteilt wobei A und E den Korridor für die Aussenbahn beschreibt, B und D die Halbzonen und C die mittlere Zone.

Längsachse und Breitenachse

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Bild: Längsachse und Breitenachse

Nun werden die Längsachse und die Breitenachse übereinandergelegt, woraus sich 25 verschiedene Zonen ergeben.

Wie zu erkennen ist, ist die Zone C3 grösser als die anderen Zonen, weshalb viele Trainer anstreben, die zentrale Zone zu kontrollieren, was aber wieder zur Folge hat, dass es in den Zonen A und E zu Freiräumen kommen kann.

Aus diesem Modell ergeben sich nun folgende Ableitungen:

  • Ziel ist es, immer in dem Viereck, in dem der Ball ist und das sich aus Längsachse und Breitenachse ergibt, Überzahl herzustellen bzw. Unterzahl zu vermeiden
  • Dabei muss die zentrale Achse (Zone C, B, D) immer abgedeckt sein, da das Tor im Zentrum steht und hier die Spielfortsetzungsmöglichkeiten am grössten sind.
  • Die Aussenbahn wird immer dann abgedeckt, wenn dort ein Gegner in Ballbesitz kommt.
  • Die ballentfernte Bahn bleibt frei, wenn gleich auf höchstem Niveau der ballferne Verteidiger nicht mehr so weit wie noch vor einigen Jahren mit einrückt, da er so einen schnelleren Zugriff auf die oftmals sehr dribbelstarken Spieler auf den Aussenbahnen bei einem weiten Diagonalball hat.
  • In der Defensive versuchen die Spieler, die Abstände so gering wie möglich zu halten, um kompakt agieren zu können und durch geschickte Defensivstrategien den Ball zu erobern.
  • Das Spielfeld muss in der Offensive optimal besetzt werden: möglichst viel Breite und Tiefe, um den defensiven Mechanismen entgegenzuwirken.
  • Seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass bei Spitzenteams im Offensivverhalten, oftmals die beiden Aussenbahnspieler in das Zentrum einrücken, umso in einem etwas grösseren Raum als der bei Spielformen häufig verwendete "Doppelte 16er" Überzahl zu erzeugen. Ausgehend aus diesem Korridor, der von einigen Trainern als „Rote Zone“ bezeichnet wird, werden auffallend viele Tore eingeleitet. Oftmals wird von dort der alles entscheidende Pass gespielt oder es wird nach einem Fehlpass in dieser Zone ein Gegenpressing eingeleitet, weshalb die beiden äusseren Mittelfeldspieler bereits ganz bewusst ins Zentrum rücken, um dort eine Überzahlsituation herzustellen.
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Bild: Herstellung von Überzahl in der "Roten Zone" durch einrückende Aussenbahnspieler

Wie aber trainiere ich nun den Zonenfussball?

Das Fussballspielfeld wird generell auf verschiedenen Ebenen in Räume und Zonen eingeteilt. Die Spielfeldmarkierungen definieren den Strafraum, den Fünf Meter Raum oder den Mittelkreis und die klassischen Positionsbezeichnungen der Spieler legen grundlegende Abwehrzonen, Mittelfeldzonen und Angriffszonen fest.

Im Rahmen gruppentaktischer Angriffs- und Abwehrmittel werden Raumeinheiten wie das Zentrum, der Flügel oder Halbräume abgeleitet. Darüber hinaus definieren die Trainer über qualitativ und individuell unterschiedlich ausgeprägte Begrifflichkeiten wie Pressingzone, Umschaltzone oder Kreativzone bestimmte Spielfeldbereiche, in denen die Spieler konkrete Aufgaben haben können und im Training erarbeitetes Spielverhalten angewendet werden soll.

Diese mehrschichtige Unterteilung ist der grundlegende Gedanke für die im Folgenden vorgestellten Inhalte zum Zonentraining. Das Training mit Zonen versucht die entscheidenden Wettkampfräume in das Training zu überführen. In einem ersten Schritt sollen sich die Spieler an das Training an und mit Zonen gewöhnen.

Dabei kommen Übungsformen, Spielformen und Wettkampfformen an Linien, Dreiecken und Quadraten zum Einsatz, bei denen die Spieler zunächst individuell und anschliessend in Gruppen trainieren. Im weiterführenden Trainingsprozess werden technische Abläufe an den Zonen zielgerichteter, taktischer und spielnäher angelegt, um die Trainingsinhalte letztlich auf den Wettkampf übertragen zu können.

Durch schrittweise Steigerung und wiederkehrende Trainingselemente versucht der längerfristig angelegte Trainingsprozess Wiedererkennung zu generieren und Transferleistungen hervorzurufen. Letztlich versucht das Zonentraining Lösungsmöglichkeiten und Hilfestellungen für den Wettkampf zu erarbeiten und das Verhalten der Spieler in entscheidenden Spielfeldzonen grundlegend zu optimieren.

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