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Gedanken zum Thema Spielintelligenz im Fussball

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"Gib deinen Spielern nicht den Fisch, sondern zeig ihnen, wie man fischt."

Der Begriff Spielintelligenz ist im Fussball in aller Munde, gleichgültig, ob es um die Ausbildung von Nachwuchsspielern geht oder um Fussball auf höchstem Niveau.

Die Spielintelligenz ist im modernen Fussball wichtiger denn je, da sich die meisten Mannschaften dank der modernen Trainingslehre physisch, technisch und taktisch auf Augenhöhe begegnen. Spielintelligenz muss von einem jungen Alter an ein fester Bestandteil der Trainingsarbeit sein, um Fussballer optimal auszubilden. Der Qualitätsunterschied zwischen den einzelnen Spielern wird immer mehr durch den Grad ihrer Spielintelligenz bestimmt.

Einem Fussballer nutzt die bessere physische Verfassung oder die besseren Technik nur wenig, wenn er diese Elemente nicht intelligent zum Nutzen seiner Mannschaft einsetzen kann. Um in Zukunft mehr Fussballer mit einer hohen Spielintelligenz auf dem Fussballplatz zu haben, müssen laut Horst Wein Fussballtrainer die Spieler mehr stimulieren und weniger instruieren. Um Fussball auf höchstem Niveau zu spielen, bedarf es einer extrem hohen Spielintelligenz, die bereits in jungen Jahren gefördert werden muss.

Durch den enormen Fortschritt in der Trainingslehre ist im modernen Fussball für jeden Spieler eine hervorragende technische, taktische und physische Ausbildung selbstverständlich geworden. Nun tritt mit der Spielintelligenz ein weiterer Punkt immer mehr in den Vordergrund, der oftmals den entscheidenden Unterschied ausmacht. Aus diesem Grund sollte der Ausbildung der Spielintelligenz im Fussballtraining besonders viel Beachtung geschenkt werden.

Anstatt bei der Ausbildung junger Fussballer lediglich auf das Erlernen technischer und taktischer Elemente zu achten, sollte neben den Muskeln und Nervensystem mehr als je zuvor auch der Kopf trainiert werden, damit das gesamte Potenzial eines Fussballers optimal ausgeschöpft wird. Je mehr intelligente Spieler auf dem Platz stehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Fussballspiel ein höheres Niveau hat.

Faktoren der Spielintelligenz

"Spielintelligenz hat nichts mit der Menge der Neuronen im Gehirn eines Fussballers zu tun, sondern mit der Anzahl der Verbindungen, die die Zellen untereinander herstellen können. Damit es zu vielen dieser Verbindungen kommt, muss ein Fussballer oft und richtig stimuliert werden." (Horst Wein)

Die Spielintelligenz im Fussball ist also nur bedingt von genetischen Faktoren abhängig. Spielintelligenz muss im modernen Fussballtraining viel mehr durch eine Vielzahl geeigneter Übungen geschult werden, wofür Horst Wein spezielle Spielformen und Spielmodelle entwickelt hat. Des Weiteren ist es sehr wichtig, die Spielintelligenz im Fussball durch freie Spielformen, die dem Strassenfussball ähnlich sind, zu schulen. Wie bei allen Menschen ist auch bei Fussballern die Ausprägung der Intelligenz verschieden.

Jede Position und Aufgabe, die ein Spieler bekommt, erfordert eine andere Art der Spielintelligenz, denn die Probleme, die ein Torspieler zu lösen hat, sind anderer Natur als die eines Stürmers oder eines Innenverteidigers. Kinder und Jugendliche lernen am meisten durch das Zuschauen. Das Demonstrationstalent des Trainers ist deshalb besondere wichtig, weil die Spieler so am schnellsten lernen, deshalb sollte die Demonstrationsfähigkeit des Trainers sehr gut ausgeprägt sein.

Spielintelligenz erlernen

"Sag es mir - und ich vergesse. Zeig es mir - und ich behalte. Beteilige mich - und ich verstehe."

Dieses Zitat des chinesischen Philosophen Laotse verdeutlicht einen wichtigen Punkt beim Erlernen von neuen Fähigkeiten:

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Kinder durch Ausprobieren und Üben viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Wenn ein Kind aber lediglich mit den eigenen Erfahrungen auskommen müsste, wäre es nicht in der Lage, ein hohes geistiges oder motorisches Niveau zu erreichen. Dazu benötigt es die Erfahrungen Erwachsener, die mit Worten und durch das Zeigen dem Kind helfen, ein hohes Niveau zu erreichen. Das gilt nicht nur in den verschiedenen Lebenssituationen, wie beispielsweise in der Familie oder in der Schule, sondern auch für das taktische Denken und Verhalten auf dem Fussballplatz.

Fussballtrainer sind verantwortlich für die Steigerung des Spielniveaus. Diese Steigerung kann nur erreicht werden, wenn Spiele im Training angeboten werden, in denen Wahrnehmung, die korrekte Analyse einer Spielsituation sowie die korrekte gedankliche Lösung dieser Spielsituation als auch die einwandfreie technische Ausführung der geplanten Spielaktion systematisch trainiert werden. Fussballer erwerben so die Fähigkeit, nicht nur eine Spielsituation richtig aufzufassen, sondern ihre mögliche Weiterentwicklung aufgrund der aufgenommenen und verarbeiteten Informationen auch richtig zu antizipieren.

Dieser Antizipationsfähigkeit geht immer eine optimale Wahrnehmungsfähigkeit voraus. Um diese optimal auszuspielen, bedarf es sicherlich zunächst einer Automatisierung der Fussballtechnik, damit der Fussballer wichtige Kapazitäten besitzt, um intelligent und antizipativ entscheiden zu können, ohne permanent auf den Ball zu blicken. Der Erwerb taktischer Kenntnisse und somit von Spielintelligenz kommt nicht nur allein durch bewusstes und unbewusstes Handeln im freien Spiel zu Stande, sondern ergibt sich oftmals erst in Verbindung mit einem zielgerichteten pädagogischen Prozess.

Bei diesem Prozess sollte den Fussballern so früh, wie es ihr technisches und taktisches Können zu lässt, Gelegenheit gegeben werden, durch selbstständiges Denken und Handeln taktische Kenntnisse und Erfahrungen zu sammeln, die ihnen helfen, welches Verhalten in welchen Spielsituationen welche Auswirkung hat. Je mehr diese Kenntnisse durch eigenes Beobachten, Denken und Experimentieren erworben werden, umso mehr vertiefen sie sich. Das ist auch ein wesentlicher Grund der die Stärke von Spielern wie Xavi und Iniesta ausmacht, die hunderte von Spielen auf höchstem Niveau gespielt haben und somit über immer mehr Wissen verfügen und immer bessere Entscheidungen treffen können.

Implizites und explizites Training

"Je mehr Wissen der Spieler hat, desto mehr sieht er." (Horst Wein)

Die Spielintelligenz im Fussball kann sowohl durch das freie Spielen, das sogenannte implizite Training wie es im Strassenfussball üblich ist, als auch durch explizites Training gefördert werden.

Eine subjektive Spielerfahrung allein, wie sie im Strassenfussball gemacht wird, genügt oftmals nämlich nicht, um Spielintelligenz genug auszubilden. Durch einen zielgerichteten pädagogischen Prozess, das sogenannte explizite Training, wird dem Trainer die wichtige Aufgabe zuteil, die vom Spieler selbst gewonnene oder durch Fremdinformation erworbenen taktischen Kenntnisse sichtbar und bewusst zu machen, sie dann nach der sorgfältigen Demonstration in allen Einzelheiten zu erläutern und der besseren Übersicht wegen zu systematisieren.

Elemente, die während eines Fussballspiels stattfinden wie das Freilaufverhalten, das Passspiel, der Torschuss, Ball an- und mitnehmen, Fintieren usw., sind mit motorischen Übungen zu erlernen. Ein Spieler mit Spielintelligenz versteht es zusätzlich, diese Elemente zu verschmelzen und optimal der jeweiligen Spielsituation angepasst zu lösen.

Auf der Suche nach der bestmöglichen Lösung einer Spielsituation sieht ein intelligenter Spieler schnell die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren. Während er die Aktionen seiner Mitspieler und Gegner wahrnimmt und analysiert, kennt und beherrscht er bereits die verschiedenen Lösungen der auftretenden Probleme und versteht es, sie praktisch umzusetzen.

Dies unterscheidet einen Spieler mit hoher Spielintelligenz von einem Spieler mit einer weniger hohen Spielintelligenz. Im Fussball sollte nach Horst Wein zusätzlich auch mit expliziten Trainingsübungen gearbeitet werden, denn erst eine genaue Anleitung und Demonstration durch den Trainer so wie eine ausreichende Wiederholungzahl derselben taktischen Handlung in der gleichen Spielsituation und schliesslich die Übertragung der gefundenen Lösung auf ähnliche Spielsituationen legt ein solides Fundament für eine hohe Spielintelligenz. Beim expliziten Training der Spielintelligenz präsentiert der Trainer dabei nur bestimmte Teile des Spiels. Beim mehrfachen Üben erfahren die Spieler dann, bei welchem Gegnerverhalten, welche Handlungsalternativen abgerufen werden müssen.