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Grundordnungen und Spielsysteme im Fussball

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"Wer gewinnen will, braucht ein System." (Jose Mourinho)

Grundsätzlich ist es wichtig, dass man zunächst zwischen den beiden Begriffen Grundordnung und Spielsystem unterscheidet.

Grundordnung vs. Spielsystem

Grundsätzlich ist es wichtig, dass man zunächst zwischen den beiden Begriffen Grundordnung und Spielsystem unterscheidet.

Eine Grundordnung ist die Aufstellung und gibt die Besetzung der Positionen bei Ballbesitz in der Offensive sowie beim Spiel gegen den Ball in der Defensive an. Aus der Grundordnung wird dann ein Spielsystem gebildet, dass sich je nachdem, ob die Mannschaft in Ballbesitz ist, oder gegen den Ball arbeitet, unterschiedliche Ausprägungen hat. Durch das Spielsystem erwacht die Grundordnung zum Leben.

Aus der Spielidee, taktischen Vorstellungen und der Grundordnung werden die Verhaltensweise der verschiedenen Positionen abgeleitet, wodurch dann im Idealfall auf dem Platz die Handschrift des Trainers in einem Spielsystem zu erkennen ist. Das Spielsystem gibt also Auskunft über die Interpretation und das Verhalten auf den einzelnen Positionen wieder. Schaltet sich der Aussenverteidiger beispielsweise in der Offensive mit ein, oder hält er seine Position?

Formationen

Diese Formationen, wie ein 1-4-4-2 oder ein 1-3-5-2, werden durch eine Kombination von Zahlen dargestellt. Dabei zeigt die erste Zahl immer den Torspieler, die zweite Zahl die Anzahl der Abwehrspieler, die dritte Zahl die Mittelfeldspieler und die vierte die Anzahl der Angreifer. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fähigkeit eines Trainers, wie er in der Lage ist, die Spieler - auch in Abhängigkeit vom Gegner - optimal auf dem Spielfeld zu platzieren, um Überzahlsituationen zu kreiren und Unterzahlsituationen auszugleichen, was mit Hilfe von Spielsystemen umgesetzt wird. Wichtig ist, dass diese Formationen nie als fixes Gebilde gesehen werden. Dieses fixe Gebilde gibt es lediglich auf dem Papier oder beim Anstoss.

Grundordnung: 1-4-3-3

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Bild: Grundordnung 1-4-3-3 beim Anspiel

Die Grundordnung 1-4-3-3 beim Anspiel kann situationsbedingt bei Ballbesitz schnell zu einem 1-2-3-2-3 und beim Verteidigen zu einem 1-4-2-3-1 werden, weshalb man taktisch gute und flexibel ausgebildete Spieler benötigt.

Spielsystem gegen den Ball: 1-4-2-3-1

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Bild: Spielsystem in der Defensive: 1-4-2-3-1

Durch variable Verhaltensweisen auf den einzelnen Positionen in dieser Grundordnung, ergibt sich in der Defensive beim Verschieben gegen den Ball ein 1-4-2-3-1 Spielsystem.

Mannschaften, die aus der Grundordnung im 1-4-3-3 agieren, greifen in der Defensive oftmals auf ein 1-4-2-3-1 zurück, was eine gute Kompaktheit garantiert, da durch die beiden 6er das Zentrum zusätzlich verstärkt wird. 11 und 7 lassen sich eine Linie nach hinten fallen und bilden eine 3er Linie mit 10. 8 rückt nach Hinten und bildet mit 6 die sogenannte Doppel 6. 9 versucht den Innenverteidiger zu lenken.

Spielsystem in Ballbesitz: 1-2-3-2-3

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Bild: Spielsystem in der Offensive: 1-2-3-2-3

Gelangt die Mannschaft in Ballbesitz, stehen die beiden Aussenverteidiger nun breit und schieben hoch. Die Positionen 6 kippt nach Hinten ab und 8 dementsprechend nach Vorne. 11 und 7 schieben ebenfalls hoch, befinden sich aber nicht auf derselben Linie wie 2 und 3, da ansonsten Spielfortsetzungsmöglichkeiten blockiert werden. Dadurch ergibt sich in der Offensive in Ballbesitz ein 1-2-3-2-3

Nahezu alle Topteams sind in der Lage flexibel agieren zu können. Ideal ist es, wenn die Mannschaft gerade im Offensivverhalten in der Lage ist, das System in Ballbesitz zu variieren, dadurch kann sich der Gegner nicht einstellen und die eigene Mannschaft ist nur schwer ausrechenbar.

Spielsystem in der Offensive: 1-3-3-4

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Bild: Spielsystem in der Offensive: 1-3-3-4

So würde es sich bei der Grundordnung 1-4-3-3 anbieten, als zusätzliche noch offensivere Variante zum 1-2-3-2-3, im Ballbesitz ein 1-3-3-4 einzustudieren. Gerade dann, wenn man die Vorteile der sogenannten dynamischen Dreierkette nutzen und einen hohen Druck ausüben möchte. Dies ist bei diesem System in Ballbesitz hervorragend möglich, da mit den vier Spielern in der ersten Linie erreicht werden kann, die 4er-Kette des Gegners komplett zu binden.

Fazit und Zusammenfassung

Mit Spielsystemen werden also die jeweiligen Positionen und Räume der Spieler festgelegt. Ein Spielsystem gibt jedoch nicht die Taktik wieder! Grundordnung und Spielsystem werden erst durch taktische Anweisungen zum Leben erweckt. Das System gibt lediglich die Aufgaben der Spieler wieder, wobei diese vom Trainer zusätzlich exakt definiert werden müssen, da dieselbe Spielposition im gleichen System unterschiedlich interpretiert werden kann und will. Ausnahme ist hierbei der Torspieler, dessen Aufgabe nahezu immer dieselbe ist, unabhängig von der Grundordnung und Spielsystem. Deshalb hat es sich wohl leider beim Fussball eingebürgert, den Torspieler bei der Nennung der nummerischen Formation nicht zu berücksichtigen.

In diesem Beitrag wird der Torspieler explizit bei der Aufführung von Grundordnungen und Spielsystemen erwähnt, da so die hohe Bedeutung des Torspielers, vor allem schon für Jugendliche hervorgehoben wird. Der Torspieler wird auch nicht Torhüter genannt, da seine Aufgaben im modernen Fussball weit über das reine "Hüten" des Tores hinausgeht.

Das "beste" Spielsystem

Die Vergangenheit zeigt, dass kein System einem anderen zwingend überlegen ist. Jedes System hat seine Vorteile und Nachteile. Wichtig ist immer die Fähigkeit des Trainers für Balance auf dem Platz zu sorgen, Überzahlsituationen zu kreieren und Unterzahlsituationen zu verhindern. Hinzu kommt die Fähigkeit der Spieler, die ein System optimal umsetzten müssen.

Grosse Turniere wurden im Fussball bislang auf völlig verschiedene Art und Weise und mit völlig verschiedenen Spielideen, Grundordnungen und Spielsystemen gewonnen. Jedes Spielsystem hat im Fussball also seine Berechtigung und muss zwar nicht gemocht, aber akzeptiert werden. Unglaubwürdig ist es aber, wenn eine Mannschaft, die unter der Woche nur Offensivfussball mit viel Ballbesitz trainiert, sich dann am Wochenende defensiv in einem 1-5-3-2 auf das Kontern beschränkt und lange Bälle spielt.

Durch die sehr häufig wechselnden Spielsituationen und die vielen Positionswechsel und eine hohe Kreativität bei eigenem Ballbesitz sind Verhaltensweisen in Spielsysteme in der Defensive einfacher zu trainieren, als in der Offensive. Deshalb setzen die meisten Trainer bei der Übernahme einer neuen Mannschaft erst mal im Defensiv-Bereich ihre Arbeit an. Zu allem muss ein Trainer sich bewusst sein, das ein Spielsystem auch immer konditionelle Folgen hat. Je nachdem, welche Spielsysteme aufeinandertreffen, kann dies einen erheblich grösseren Aufwand im läuferischen Bereich zur Folge haben. Beispielsweise um Unterzahlsituationen auszugleichen oder freie Räume zu nutzen. Deshalb sind Aussagen, wie: "Es kam mir vor, als ob der Gegner mit einem Spieler mehr gespielt hat", im Fussball keine Seltenheit.