Gefallen Dir unsere Beiträge? Hier kannst Du kostenlos unseren Blog abonnieren.

Implizites Lernen - das Spiel mit der Methodik

Bild: U9 SSV Jahn -1860.JPG

Ein Trainer kann seinen Spieler sagen, dass sie kombinieren oder direkt spielen sollen, oder er kann Situationen schaffen, durch die sie dazu gezwungen werden.

Implizites Lernen

Implizites Lernen wird definiert, als die unbewusste oder spielerische Aneignung von Fertigkeiten.  Der Lernende nimmt hierbei die vermittelten Inhalte gar nicht bewusst wahr, er wird mehr geleitet von den Reizen der jeweiligen Situation. Im Spiel werden die Spieler ständig vor neue Situationen gestellt, die es zu lösen gilt. Keine Situation gleicht hier der Anderen. Abhängig von der Position des Balles, der eigenen Position und der des Gegners kann es auf dem Spielfeld zu einer unendlichen Zahl an potenziellen Prozessen kommen. Aufgabe des Übungsleiters ist es im Training, seine Spieler auf ein Maximum an möglichen Situationen vorzubereiten, indem er sie mit ständig wechselnden Faktoren konfrontiert. Heißt, durch gezielte Provokationen des Trainers, sollen die Spieler unterbewusst selbst die Lösung einer Situation finden und diese ausführen.

Provokationsregeln - Werkzeuge der Methodik

Anzahl der Ballkontakte: Als Beispiel, der Ballführende darf maximal zwei Kontakte nutzen. Heißt für die Spieler ohne Ball, aktiveres Freilaufverhalten, um dem Spieler mit Ball schnellstmöglich Lösungen anzubieten. Der Spieler mit Ball wird gezwungen schneller Lösungen zu finden. Essentiell dafür - bereits vor der Ballannahme orientieren, wo ein freier Raum für die Ballmitnahme ist, um für sich selbst Zeit zu gewinnen und die Situation bestmöglich zu lösen.  Konträr dazu, der Ballführende muss mindestens drei Kontakte nutzen, um Dribblings und 1vs1-Situationen zu provozieren.


Zeitlimit: Zeitlimits provozieren durch den daraus entstehenden Druck schnelle und geradlinige Lösungen. Gibt man vor, dass nach Ballgewinn innerhalb von zehn Sekunden ein Torabschluss erfolgen muss, forciert man das schnelle Spiel in die Tiefe. Umgekehrt kann für die ballverlierende Mannschaft die Regel gelten, den Ball nach drei bis fünf Sekunden wieder zurückzuerobern. (Gegenpressing) Gelingt das in der vorgegebenen Zeit, gibt es einen Zusatzpunkt - gelingt das nicht, heißt es Pressing auflösen und zurück in die Ordnung.


Feldgrößen: Je größer das Spielfeld, in Relation zur Spielerzahl, desto höher die Intensität. Die Anzahl an Aktionen eines Einzelnen sinkt, dafür erhöht sich die Dauer der Aktion. Das kluge Besetzen der Räume fällt deutlich schwerer - es gilt die Balance zu finden, zwischen Überzahl in Ballnähe und zeitgleich möglichst wenig Raum anzubieten.
Je enger das Feld, umso schneller und ökonomischer bekommt man defensiv Druck auf den Ball, zeitgleich steigt die Frequenz an 1vs1-Situation. Die Mannschaft in Ballbesitz muss den Ball noch schneller und direkter zirkulieren lassen.


Feldform: Die Spielfeldformen können stets unterschiedlich gestaltet werden. Breiter als lang, oder extrem eng dafür sehr lang. Die Spieler sollen unabhängig vom Spielfeld ein Raumgefühl entwickeln. Warum also nicht mal im Kreis statt in einem Rechteck spielen. Das bekannteste Beispiel liefert hier sicher Thomas Tuchel, der selbst behauptet, er spiele quasi nie auf eine rechteckige Spielfeldform. Beliebt bei Thomas Tuchel ist die rautenförmige Spielfeldform. Die Ecken sind abgeschnitten, um vertikale Longlinepässe zu unterbinden und das raumgewinnende Spiel in die Tiefe zu erzwingen.  Außerdem dienen Tabuzonen auf dem Feld, um mögliche Räume für das eigene Pressing zu symbolisieren bzw. den Gegner zu lenken.


Ziel des Spiels: Hierbei spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle - Spielrichtung und Zielorientierung. Gibt es keine klare Spielrichtung und keine Tore als Ziel, so steht das ballsichernde Ballbesitzspiel im Fokus. Tore in Kombination mit keiner klaren Spielrichtung, bedeutet schnelles Umschalten und ständiges Verlagern. Ist die Spielrichtung klar definiert, aber es gibt keine Tore, forciert man das raumgewinnende Passspiel in die Tiefe. Klare Spielrichtung und Tore spiegelt den spielnahen Wettkampf wieder.


Spielerzahl: Variationen bei der Anzahl der Mannschaften und der Anzahl der Spieler pro Mannschaft eröffnen zahlreiche Möglichkeiten. Bei mehr als zwei Mannschaften können sich situativ "Verbündete" ergeben, die eine Überzahl bzw. Unterzahl herstellen. Auch Neutrale Spieler mit bzw. gegen den Ball provozieren Überzahl bzw. Unterzahlsituationen beim Spiel mit und gegen den Ball. Ist beispielsweise die Mannschaft gegen den Ball in Unterzahl, wäre eine Manndeckung nicht mehr erfolgsversprechend. Stattdessen müsste ball- und raumorientiert verteidigt werden, um zumindest in Ballnähe Gleichzahl, bestenfalls Überzahl zu erzeugen. Je weniger Spieler in der Form, umso mehr Aktionen der einzelnen Spieler. Je mehr Spieler in der Spielform, umso komplexer werden die Situationen, da die Handlungsoptionen deutlich erhöht sind.

Zusammenfassende Unterschiede vom impliziten zum expliziten Lernen:

  • Lernprozess: unbewusst vs. bewusst
  • Wahrnehmung: emotional vs. deklarativ
  • Steuerung: selbstorganisiert vs. fremdinstruiert
  • Aufwand: gering vs. hoch
  • Geschwindigkeit: schnell vs. langsam
  • Dauer: langanhaltend vs. wird leichter vergessen
  • Wissen: schwierig zu verbalisieren vs. leicht zu verbalisieren
  • Darstellung: ganzheitlich vs. isoliert


Autor des Beitrags

Lukas Baumer
Name:Lukas Baumer
Geburtsdatum:11.04.1994
Lizenz:DFB-Elite-Jugend-Lizenz i.A.
ProfileFacebook

Lukas arbeitet seit 2014 im Nachwuchsbereich des SSV Jahn Regensburg. Er trainiert dort die Jugenden U9 - U11. Bei seiner letzten Station vor seiner Tätigkeit beim Jahn trainierte Lukas den Juniorenbereich U17. Derzeit absolviert er parallel zu seiner Traineraktivität ein Studium für angewandte Bewegungswissenschaften an der Universität Regensburg.

Du bist auch lizensierter Fussball-Trainer und möchtest Artikel auf you-are-football.com veröffentlichen? Dann schick uns hier Deine kurze Bewerbung.