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Sportartanalyse Fussball - Teil 1

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Ohne Planung kein Erfolg, doch aufgrund der extrem hohen Komplexität im Fussball kann es selbst mit einer perfekten Planung an manchen Tagen zu Niederlagen kommen.

1) Die relevanten Leistungsfaktoren

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Die enorme Komplexität wird sehr gut im Schaubild von Prof. Jürgen Weineck aufgezeigt, in dem die Vielfältigkeit der benötigten Fähigkeiten dargestellt wird.

Jedoch können, der Komplexität zum Trotz, die Chancen auf einen Sieg durch eine perfekte Planung und Ausbildung enorm erhöht werden und somit auch dem Zufall entgegengewirkt werden. Da sich der Fussball immer weiter entwickelt und auch weiterhin entwickeln wird, ist es wichtig, rechtzeitig diese Tendenzen zu erkennen und in der Ausbildung junger Spieler umzusetzen.

Als Trainer ist es meine Pflicht, auf dem aktuellen Stand zu sein, was der moderne Fussball von meinen Spielern verlangt, damit ich diese nach besten Wissen und Gewissen ausbilden kann.


Zu Beginn jeder Planung muss eine Weltstandsanalyse erstellt werden:

2) Weltstandsanalyse

Was machen die weltbesten Mannschaften, Unterschiedspieler und Trainer und warum sind sie so erfolgreich?

Daraus abgeleitet, ergeben sich Zielsetzungen in der Ausbildung eines Fussballers. Was muss ein Fussballer in seiner Ausbildung erfahren, damit er sich auf höchstem Niveau durchsetzen kann?

Merkmale von Weltklasse-Trainern, Unterschiedspielern und Spitzenteams

„Look at the best, learn from the best, be the best!

Zunächst muss jeder Fussballtrainer wissen, was die besten Spieler und Teams auszeichnet. Erst dann können überhaupt geeignete Massnahmen entwickelt werden, um die Spieler auf Topniveau zu trainieren und mit den höchsten Ansprüchen,die der Fussball stellt, auszubilden.

Mit der oben erwähnten Weltstandsanalyse werden die besten Teams in den internationalen Topligen, sowie in der Champions League als auch bei Kontinentalmeisterschaften und natürlich Weltmeisterschaften analysiert und verglichen, um daraus Empfehlungen abzuleiten und Entwicklungen und Tendenzen im Spitzenfussball zu erkennen.

Die nachfolgend gezeigten Merkmale zeichnen die Spitzenteams und Spitzenspieler im modernen Fussball aus.

Technik

Alle Spieler inklusive dem Torspieler müssen fussballerisch perfekt geschult sein, um Spielsituationen immer und überall unter höchstem Zeit- und Gegnerdruck lösen zu können.

Die Spieler müssen über eine perfekt geschulte Basistechnik verfügen, auf der die jeweilige Positionstechnik aufbaut. Ein sehr wichtiger Punkt ist es, möglichst kurze Ballkontaktzeiten anzustreben, da diese die Topteams von durchschnittlichen Teams trennen. Internationale Spitzenspieler passen den Ball im Durchschnitt bereits nach ca. 1 s weiter.

Die Bedeutung des Passspiel unterstreicht eine Passstatistik der Europameisterschaft 2012 aus der hervor geht, das 11 von gesamthaft 16 Mannschaften durchschnittlich weit über 500 Pässe pro Partie spielten. Europameister Spanien spielte im Schnitt sogar 847 Pässe pro Spiel mit einer Erfolgsquote von über 80%.

Das Ziel von Spitzenmannschaften ist es so dominant als möglich aufzutreten, wobei hohe Ballbesitzzeiten eine wichtige Rolle spielen. Topleute in diesem Bereich, wie Iniesta und Xavi, spielen nahezu jeden zweiten Ball direkt mit einer extrem hohen Erfolgsquote, was es für die gegnerische Mannschaft extrem schwierig macht, gegen diese Spieler zu verteidigen.

Athletik

Die konditionellen Fähigkeiten Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit müssen perfekt ausgebildet und auf die jeweilige positionsspezifische Anforderung abgestimmt sein, will man auf höchstem Niveau mithalten.

Extrem erhöht hat sich in den letzten Jahren die Laufleistung der Spieler. Durchschnittlich sind die Spieler auf höchstem Niveau im Fussball mehr als 12 km pro Spiel unterwegs und sind dabei etwa 95-97% der effektiven Spielzeit ununterbrochen in Bewegung und weisen dabei eine durchschnittliche Herzfrequenz von 160-175 Schlägen pro Minute auf. 2/3 der Spielzeit befinden sich die Spieler durchschnittlich sogar über 85% der maximalen Herzfrequenz. Die weitesten Wege im Spiel legen die Mittelfeldspieler und die Aussenverteidiger zurück.

Den europäischen Rekord hält Mathieu Flamini von Arsenal London, der einen Spitzenwert von über 14 km pro Spiel erreicht hat. Selbst Torspieler auf internationalem Spitzenniveau kommen auf eine Laufstrecke von bis zu 6,5 km pro Spiel.

Noch wichtiger als die hohe Laufleistung ist die Qualität der Laufleistung. Der Fussball hat sich zu einer hochintensive intermittierenden Serien-Sprint-Sportart entwickelt. Internationale Spitzenspieler laufen im Spiel bei einem Sprint ohne Ball teilweise über 33 km/h schnell, was nicht viel langsamer als 100-m-Weltrekordhalter Usain Bolt ist, der bei seinem Weltrekord über 100m durchschnittlich 37 km/h lief.

Schaut man auf die Liste der momentan weltweit besten Spieler, erkennt man, dass nahezu alle Spieler über die Fähigkeit verfügen, das Spiel schnell zu machen, sei es mit einem Dribbling, einem Sprint in den freien Raum oder mit einem genialen Direktpass.

Mentale Faktoren

Wer in einem Hexenkessel vor 80.000 Zuschauern aufläuft oder zum entscheidenden Elfmeter in einem WM-Finale antritt, muss über eine sehr hohe mentale Stärke verfügen. Oftmals ist es genau diese Komponente, die entscheidet, wer den Sprung in den bezahlten Fussball schafft.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch, wie die Spieler in der Lage sind, mit Kritik umzugehen und unter einem extrem hohen Leistungsdruck Topleistungen abzurufen. Nicht wenige Trainer vertreten sogar die Meinung, dass Mentalität die Qualität schlägt.

Von sehr hoher Wichtigkeit ist es, von Jung an in der Ausbildung von Fussballern auf ein gutes Selbstvertrauen der Spieler zu achten, ohne dabei arrogant zu sein. Viele Trainer sehen das Selbstvertrauen sogar als obersten Baustein den es in der Ausbildung anzustreben gilt, denn ein Spieler kann nur sich selbst vertrauen, wenn er in allen Bereichen des Fussballs perfekt geschult ist. Spieler wie Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic verfügen über ein enormes Selbstvertrauen, wodurch Sie oftmals Spiele entscheiden.

Abgerundet wird das Anforderungsprofil mit einer hohen mentalen Belastungsfähigkeit, da im heutigen Fussball der Druck der Medien, Sponsoren und Fans immer mehr zunimmt.