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Sportartanalyse Fussball - Teil 2

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Heute geht es weiter mit den für den Fussball relevanten Leistungsfaktoren bzw. mit der Weltstandsanaylse. Im Folgenden schauen wir uns die Punkte Offensive, Defensive, Spieltempo, in Führung gehen, Kopfballspiel und das Umschaltverhalten an.

Defensive

Das ballorientierte Spiel hat sich weltweit durchgesetzt und ist die vorherrschende Grundidee in der Defensive. Das oberste Ziel der Defensivarbeit ist es, im Mannschaftsverbund geschlossen zum Ball zu verschieben. Auch hier will man aktiv statt passiv sein, obwohl man sich gerade nicht in Ballbesitz befindet. Dadurch werden die Aktionsräume des Gegners verengt und der Angriff verzögert. Es wird ständig versucht, in Ballnähe Überzahlsituationen zu schaffen, um dann den Ball zu erobern. $

Alle Spitzenteams nutzen bewusste Defensivstrategien, um den Ball oftmals bereits möglichst weit weg, vom eigenen Tor entfernt, zu erobern. Bei Ballverlust und beim Umschalten zur Defensivarbeit ist es oberste Priorität, so viele Spieler wie möglich hinter den Ball zu bekommen, um so aus einer gut organisierten und eng gestaffelten Deckung heraus den Ball wieder zu erobern. Die Defensivspieler haben sich vor allem im technischen Bereich stark verbessert und haben dadurch an Wertschätzung extrem zugelegt.

Vor einiger Zeit wäre es noch undenkbar gewesen, 30 Millionen Euro für einen Defensivspieler auszugeben. Für die beiden Innenverteidiger Rio Ferdinand und Thiago Silva wurden dann aber bereits vor ein paar Jahren schon über 40 Millionen Euro auf den Tisch gelegt, was die gestiegene Wertschätzung für Defensivspieler zeigt.

Offensive

Ein klarer Trend zu einer offensiveren Spielweise kann bei internationalen Spitzenteams beobachtet werden. So wurden bei der WM 2014 in Brasilien 171 Treffer erzielt während es 2010 in Südafrika noch 145 Treffer waren.

Die Anzahl der Spieler vor dem Ball nimmt bei den meisten Topteams immer mehr zu. Eine hohe Variabilität und Kreativität sowie ein perfektes Positionsspiel sind die Hauptmerkmale im modernen Offensivspiel. Bei eigenem Ballbesitz wird versucht, das Spielfeld möglichst breit und tief aufzufächern, um der Spielfeldverengung entgegen zu wirken. Durch eine schnelle Spielverlagerung versucht man, den Gegner zum Laufen zu bringen und mit scharfen, vertikalen Bällen Linien des Gegners zu überspielen.

Auf den Flügeln ist es schon länger Trend, die Spieler „seitenverkehrt“ einzusetzen, damit diese dann mit dem Ball und dem gegnerfernen Fuss in die Mitte Richtung Tor ziehen und mit dem starken Fuss aus zentraler Position abschliessen können.

Eine wichtige Rolle spielen auch immer mehr schnelle, vertikale Konteraktionen mit wenigen Stationen, um innerhalb kurzer Zeit zum Abschluss zu kommen und die Unordnung des Gegners auszunutzen. Dies ist so wichtig, da die Mannschaften im Spitzenbereich nach einem Ballverlust nur. 6 bis 10 s unorganisiert sind.

Des Weiteren sollte wie bereits im Punkt Technik angesprochen, die Kontaktzeit des Balles am Fuss so niedrig wie möglich gehalten werden, um nicht in Pressingsituationen zu geraten und die freien Räume schnell zu nutzen.

Ausserdem werden die individuellen Fähigkeiten eine noch grössere Rolle spielen, wenn es darum geht, Spiele in der Offensive zu entscheiden. Ausnahmekönner wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Gareth Bale oder Zlatan Ibrahimovic werden immer teurer und wichtiger, da oftmals nur eine Einzelaktion oder ein Geniestreich Löcher in den perfekt organisierten Abwehrverbund des Gegners reissen kann.

Spieltempo

Die vermutlich grösste Entwicklung im Fussball hat im Bereich des Spieltempos stattgefunden. Die Spieler müssen im Bruchteil von Sekunden Entscheidungen treffen und ausführen. Das Umschaltverhalten ist extrem wichtig und wird auch weiterhin einer der Schlüsselpunkte sein, da das Spieltempo weiterhin zunehmen wird.

Ein weiterer Trend im Spitzenfussball ist das schnelle Gegenpressing. Die bereits 1990 geänderte Rückpassregel hat den Grundstein für dieses taktische Mittel gelegt. In der Vergangenheit war es so, dass nach einem Ballverlust schnellstmöglich versucht wurde, einen kompakten Mannschaftsverband hinter dem Ball zu bilden. Weltklassemannschaften wie Bayern München oder der FC Barcelona streben heute eine möglichst schnelle Rückeroberung des Balles innerhalb von 6s an. Man profitiert beim Gegenpressing neben einer kürzeren Distanz zum gegnerischen Tor auch sehr von der Unordnung des Gegners.

Wer 1:0 führt…

Die Trainingslehre schreitet immer weiter voran, und vor allem in der Defensive sind nahezu alle Mannschaften die an den grossen Wettbewerben wie bei Weltmeisterschaften oder in der Champions-League hervorragend organisiert.

Durch diese perfekte Organisation in der Defensive, einer starken Mentalität und athletisch top ausgebildete Spieler, wird es immer schwieriger, Tore zu erzielen, weshalb es heute wichtiger denn je ist, welche Mannschaft in Führung geht, da der Gegner im Anschluss an ein Gegentreffer seine Defensive zwangsläufig.

Kopfballspiel

Bei der Europameisterschaft 2012 wurde ein ganz klarer Trend hinsichtlich der Bedeutung des Kopfballspiels bestätigt, denn 22 von 76 Toren wurden mit dem Kopf erzielt. Immer weniger Spieler werden es sich daher erlauben können, ohne ein perfektes Kopfballspiel auszukommen.

Bei der WM 2014 wurden in der Vorrunde mit 30 erzielten Kopfballtoren doppelt so viele Kopfballtore wie noch bei der WM 2010 erzielt. Sergio Ramos entschied das Champions-League Halbfinale 2014 gegen Bayern München mit 2 Kopfballtreffern quasi im Alleingang.

Auch die ersten 3 Tore im Championslegaue-Finale 2014 Real Madrid gegen Athletico Madrid wurden mit dem Kopf erzielt. Selbst in der Nachwuchsabteilung des FC Barcelona nimmt das Kopfballspiel wieder eine wichtige Rolle ein, da die meisten Gegner gegen den FC Barcelona mit hohen Bällen agieren, welche es zu verteidigen gilt.

Dominanz in den vier Phasen des Spiels und das Umschaltverhalten

Jedes Fussballspiel befindet sich immer in einer der folgenden vier Phasen oder es wird gerade von einer auf die andere Phase umgeschaltet:

  • Phase1:Eigener Ballbesitz / Gegner ist organisiert
  • Phase 2: Gegner in Ballbesitz /eigene Mannschaft ist unorganisiert
  • Phase 3: Gegner in Ballbesitz / eigene Mannschaft ist organisiert
  • Phase 4: Eigener Ballbesitz / Gegner ist unorganisiert
Oberstes Ziel aller Mannschaften im modernen Fussball ist es, in allen vier Phasen des Spiels so dominant als möglich zu sein, denn wenn dies der Fall ist, steigen die Chancen auf einen Sieg extrem an.

Zwischen diesen vier Phasen die ständig hin und her wechseln, ist ein Fussballspiel gekennzeichnet durch extrem viele Ballbesitzwechsel der Mannschaften, was oftmals gleich mehrere Male pro Spielminute passiert.

Der Moment wenn der Ballbesitz die Mannschaften wechselt wird im Fussball als Umschalten verstanden. Aufgrund der grossen Häufigkeit gehört das Umschaltverhalten zu den wichtigsten Prinzipien im Fussball und ist ein absoluter Schlüsselfaktor zum Erfolg. Wird zu langsam auf Defensive umgeschaltet, wird man ausgekontert, schaltet eine Mannschaft zu spät auf Offensive um, sind mögliche freie Räume bereits wieder zugestellt.

Hier geht es zum ersten Teil von "Sportartanalyse Fussball".