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Den Straßenfußball leben lassen

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"Fußball, das ist ein Ball und ein paar Freunde. Ein kleines Spiel, ein Kreis, am Strand oder im heimischen Garten - Kinder die im Schulhof spielen. Die lachen. Das ist Fußball." - Xavi Hernandez 

Südamerika - die Heimat des Straßenfußballs. Die Kinder spielen am Strand, auf den Straßen, in den Hinterhöfen. Ohne Fußballschuhe, meist barfuß, bestenfalls mit einem echten Fußball, zur Not aber auch mit einer Blechdose. Es gibt kein übergeordnetes Konzept - das Spiel als Solches steht im Vordergrund. Denn die wirtschaftlichen und sozialen Umstände lassen nahezu keine professionelle Ausbildung zu. Fluch oder Segen? 


Fußballspieler aus Südamerika definieren sich meist durch ihre überdurchschnittliche Kreativität. Lösen Situationen oft intelligent auf engstem Raum. Bestechen mit ihrer besonderen Ballsicherheit und ihrem variantenreichen Dribbling. Diese Tugenden machten sie lange Zeit zum beliebten Import-Produkt im europäischen Spitzenfußball. In der Saison 2005/2006 liefen bei den Viertelfinalspielen der UEFA Champions League insgesamt 51 Südamerikaner auf, das entsprach in etwa einem Viertel aller eingesetzter Spieler, der besten acht Teams in Europa. Zur Saison 2013/2014 waren es nur noch 35 Akteure aus Südamerika. Dazwischen liegen nicht einmal zehn Jahre - für die Entwicklung des Fußballs eine lange Zeit. Eine Zeit, in der das kompakte Verteidigen und das kollektive Pressing an taktische Perfektion grenzt. Die Alonsos, Busquets, Schweinsteigers - statt Kakás, Robinhos und Adrianos, prägen in dieser Zeit den europäischen Fußball.

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Wirtschaftliche und soziale Umstände beeinflussen die fußballerische Ausbildung junger Fußballer - auch in Deutschland. Bereits früh treten Kinder in organisierte Vereine ein, trainieren dort mit ihrem neuesten Fußballschuh auf einem gepflegten Rasenplatz, oder dem ebenen Hallenboden, alles strikt organisiert. Ausgebildete Trainer vermitteln meist deduktiv Idealtechniken und diese werden, unter immer gleichen Bedingungen, isoliert eingeschliffen. Taktisch werden die Spieler bereits früh instruiert und in ihrer Kreativität limitiert. Fluch oder Segen? 


Die Vorteile der flächendeckend, ganzheitlich professionellen Ausbildung, stehen natürlich in keinem Verhältnis zu den genannten Nachteilen. Nicht umsonst kann sich Deutschland aktuell Fußball-Weltmeister nennen. Dennoch lohnt sich ein Blick zum Straßenfußball, bei der Ausbildung im täglichen Training.

Den Straßenfußball ins Training einfließen lassen:

  • dauerhaft Wettkampfsituationen herstellen - nichts simuliert den Reiz des Straßenfußballs mehr.
  • Verschiedene Bälle nutzen (Größe, Gewicht, Form, Sprungeigenschaften)
  • Verschiedene Formen und Größen des Spielfelds (warum immer im Rechteck?)
  • Unterschiedlicher Bodenbelag (Halle, Kunstrasen, Rasen, evtl. Sand variieren)
  • Die Anzahl und Größe der Tore variieren
  • Spielen ohne Leibchen als Markierung (Schulung der Wahrnehmung/Orientierung)
  • Ständig wechselnde Mitspieler und Gegner (Überzahl/Unterzahl, Favorit/Außenseiter-Situationen simulieren)
  • Variable Spielregeln, die den Wettkampf interessant halten ("nächstes Tor zählt doppelt")


"Als Bub ist man ins Stadion gegangen, hat sich was abgeschaut. Und kaum war man wieder draußen, hat man versucht, es nachzumachen. Mit einer Konservendose oder einem Tennisball... So ging das!" - Ernst Happel

Autor des Beitrags

Lukas Baumer
Name:Lukas Baumer
Geburtsdatum:11.04.1994
Lizenz:DFB-Elite-Jugend-Lizenz i.A.
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Lukas arbeitet seit 2014 im Nachwuchsbereich des SSV Jahn Regensburg. Er trainiert dort die Jugenden U9 - U11. Bei seiner letzten Station vor seiner Tätigkeit beim Jahn trainierte Lukas den Juniorenbereich U17. Derzeit absolviert er parallel zu seiner Traineraktivität ein Studium für angewandte Bewegungswissenschaften an der Universität Regensburg.

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